"Der Filmemacher Rolf Teigler aus Berlin besucht uns bei Agora, um einige seiner Filme mit dem Ensemble21 zu zeigen, auch den ganz neuen Film „Die Wand“. Anschließend können wir mit ihm ins Gespräch kommen."
Seit einem Vierteljahrhundert arbeitet Rolf Teigler mit Menschen, deren Lebensrealitäten sonst nur selten im Film erzählt werden: Strafgefangene, Arbeitslose, Migrant:innen, Geflüchtete, Streetgangs und Bewohner:innen eines Berliner Arbeiterviertels.
Es sind ausdrücklich Spielfilme, die jedoch eng an die Biografien ihrer Protagonist:innen angelehnt sind. Die Darsteller:innen erarbeiten gemeinsam mit Teigler Geschichten und ihre Figuren, die neue Namen, Familienkonstellationen oder Kostüme erhalten, deren Konflikte jedoch aus realen Erfahrungen hervorgehen. Dieser Ansatz erzeugt eine besondere Nähe zum Stoff: Die Laiendarsteller:innen agieren unverstellt und verleihen den Figuren eine Authentizität, die man im klassischen Schauspiel selten findet. Aus biografischen Fragmenten entstehen so Geschichten, die berühren, irritieren, manchmal auch humorvolle Momente offenbaren.
Die Filme laufen auf Festivals, in Programmkinos und Galerien, werden im Fernsehen ausgestrahlt und sind als DVD oder Stream verfügbar. Professionelle Filmschaffende aus den Bereichen Kamera, Ton, Montage, Musik, Kostüm oder Produktion unterstützen die Projekte. Die Zusammenarbeit gilt als Beispiel für eine künstlerische Praxis, die gesellschaftliche Realität konsequent einbezieht und Menschen zu Wort kommen lässt, die im öffentlichen Diskurs häufig überhört werden.
Die gesellschaftlichen Konflikte, die die Filme behandeln, haben an Schärfe gewonnen: steigende Wohnungslosigkeit, Debatten um Migration, zunehmende soziale Spannungen. Vor diesem Hintergrund erhält diese Arbeit eine besondere Relevanz.
Rolf Teigler, Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin arbeitete als Tonmeister, Autor, Regisseur und Produzent, bevor er seit 2012 im Studiengang Film und Fernsehen – zunächst an der DEKRA Hochschule für Medien, seit 2020 an der SRH University lehrte.
Programm:
Die Wand (2025 Spielfilm, 20 Min):
Mit Ilka Mindach, Carsten Jürk-Mindach, Andrea Magogi Förster, Wolfgang Holzmann
Buch: die DarstellerInnen und Rolf Teigler
Ein Film über die Überwindung von Einsamkeit in den Zeiten der Macht von sozialen Medien.
Der große Hamoudi (2011 Spielfilm, 16 Min):
Mit Britta Hammelstein, Eric Madi, Eric Wambui
Sami kommt aus Kenia und ist ein allein reisendes Flüchtlingskind. Er hat eine sichere Unterbringung, jedoch ist ihm das Heimleben fremd geblieben. Jeden Abend baut er sich ein kleines Lager in einem nahe gelegenen Wald, denn erträgt die verzweifelten Schreie seines Mitbewohners nicht, der sich von Alpträumen gequält im Bett wälzt. Tagesüber ist der ein anderer Mensch, wenn er gut gelaunt als Zauberer Hamoudi auftritt. Aber die Situation spitzt sich zu, als Sami erfährt, dass die Polizei ihn abholen will, um ihn abzuschieben.
Nachtweyhs Nacht (2010 Spielfilm, 16 Min):
Mit Rané Schmidt, Nici Nathan.
Nach einer Kurzgeschichte von Wolfgang Heyder.
Felix Nachtweyh macht seine allabendliche Runde durch das verlassene Kaufhaus. Während seines Rundganges taucht er in eine vergangene Zeit ein und trifft in den Tiefen des Kaufhauses eine Freundin aus seiner Jugend. Der Film zeigt die Tragödie des einsamen Nachtwächters auf magische Weise und stellt gleichzeitig unsere Wahrnehmung der Realität in Frage.
Opfer (2005 Spielfilm, 3o Min):
Mit Hicran Kabak, Andrea Magogi Förster, Michael Bornhüter.
Ein Kurzfilm zum Thema Gewalt in den Familien.
Frühstück ab 8 (2002 Spielfilm, 3o Min):
Mit Ilka Mindach und Bewohnern aus Moabit West.
Ein kleines zärtliches Märchen aus einer Moabiter Eckkneipe über eine Frau von der Strasse, einen ukrainischen Balaleikaspieler und ein Konzert mit den Kartenspielern vom Stammtisch.
Frischfleisch (2000 Spielfilm, 35 mm, 15 Min):
Von und mit Gefangenen der Jugendstrafanstalt Ichtershausen.
Ein 17 jähriger erlebt die ersten Tagen in einer Gefängniszelle mit zwei älteren Insassen. Er lebt in einem Alltag zwischen Langeweile, Gewalt und Unterdrückung hinter verschlossenen Türen.
Eintritt frei – Spenden willkommen – reservierung@agora-da.de.
